Knochenfütterung bei BARF / Rohernährung
Tags: Calciumpräparate, Knochen, Knochenfütterung, Knochenkot
Knochen sind wohl der natürlichste Calcium-Lieferant bei der Rohfütterung. Allerdings tauchen dabei auch immer wieder Unsicherheiten und Fragen auf und in der Tat sollte man bei der Fütterung von Knochen einiges beachten.
Zunächst einmal: Knochen müssen immer roh gefüttert werden. Wirklich immer.
Kocht man diese, wird den Knochen durch den Garvorgang Wasser entzogen, was dazu führt, dass die natürliche Elastizität verloren geht und Knochen splittern können. Knochensplitter stellen für Hunde und Katzen eine sehr ernstzunehmende Verletzungsgefahr da, sowohl in der Mundhöhle, als auch in der Speiseröhre, sowie im Magen-Darm-Trakt.
Etwas vorsichtiger sollte man auch bei Röhrenknochen (Geflügel) sein, wenn sie roh gefüttert werden, denn auch hier besteht eine gewisse Splitterungsgefahr, insbesondere, wenn das Geflügel bei der Schlachtung bereits älter war. Deswegen sollte man z.B. keine Suppenhühner verfüttern, auch Puten haben mitunter ein höheres Schlachtalter als Hühner.
Zweiter wichtiger Punkt bei der Knochenfütterung: Den Knochen sollte möglichst viel Fleisch anhaften, man geht etwa von 50% Knochen und 50% Fleisch aus. Nur wenn genügend Fleisch am Knochen ist, wird im der Impuls im Körper ausgelöst, genügend Magensäure für die Verdauung der Knochen zu produzieren. Ohne Fleisch fehlt dieser Schlüsselreiz und der Knochen kann nicht ausreichend zersetzt werden, was wiederum dazu führt, dass der Knochen lange Zeit im Magen verweilt. Nicht besonders angenehm, wie man sich vorstellen kann.
Gut geeignet für die Rohfütterung sind z.B. Hühnerhälse, Putenhälse, Hühnerschenkel, Hühnerflügel, Kalbsbrustknochen, Kaninchenkeulen, Kaninchen (ganz), Lammrippen, Sandknochen, Kalbsschwänze etc. Markknochen und Beinscheiben sollte man ebenfalls nur mit Vorsicht füttern, da die Gefahr besteht, dass der Hund sich in der Öffnung mit den Zähnen verkantet.
Nicht alle Knochen werden als Gesamtes gefressen, grössere Knochen werden oft einfach benagt, kleinere Knochen komplett gefressen.
Wenn Ihr Hund oder Ihre Katze nicht daran gewöhnt ist, Knochen zu fressen, sollten Sie zunächst mit weichen Knochen beginnen. Bei “Schlingern” und jungen Hunden sollte man grössere, weiche Knochen wählen (z.B. Kalbsbrustbein), damit der Knochen nicht als Ganzes herunter geschlungen werden kann.
Bei Katzen kann man mit (zerteilten) Hühnerhälsen anfangen, auch Hühnerflügel werden von Katzen gerne beknabbert.
Bei ungeübten Knochenfressern sollte man in jedem Fall während der Fütterung unbedingt zur Beobachtung in der Nähe bleiben.
Was tun bei Knochenkot / Erbrechen?
Knochenkot kann dann auftreten, wenn zuviel Knochen gefüttert wurden und /oder zuwenig Fleisch am Knochen war. Überschüssiges Calcium kann von erwachsenen Hunden bis zu einem gewissen Grad wieder über den Kot ausgeschieden werden. Wenn also deutlich zuviel Calcium im Futter war, wird der Kot weißlich und - das ist das Tückische - sehr hart. Im schlimmsten Fall kann es so zu sehr unangenehmen Verstopfungen kommen.
Bemerkt man also weißlichen Kot, sollte man in jedem Fall für die nächsten 1-2 Tage keine Knochen oder Calciumpräparat füttern. Bei anhaltenden Verstopfungen ist in jedem Fall der Tierarzt aufzusuchen, nur er kann (Z.B. durch Röntgen) feststellen, was die genauen Gründe für die Verstopfung sind.
Ein anderes Phänomen, was nach der Knochenfütterung auftreten kann, ist Erbrechen, oft auch von kleineren Knochenstücken. Auch hier kann die Ursache darin liegen, dass zuviel Knochen gefüttert wurden und / oder zuwenig Fleisch am Knochen war.
Wichtig: Knochen sind zwar eine sehr natürliche Calciumquelle, aber es gibt Hunde wie auch Katzen, die eine Knochenfütterung generell nicht vertragen. Dies gilt insbesondere für Magen-Darm-sensible Hunde, aber auch viele Katzen kommen mit der Fütterung von ganzen Knochen (die oft nicht die der Grösse der Knochen im natürlichen Beutetier entsprechen) nicht zurecht.
In diesem Fall kann man entweder gewolfte Knochen füttern oder aber auf ein Calciumpräparat zur Calciumergänzung zurück greifen. Dafür eignen sich z.B. Knochenmehl, Eierschalenmehl, Algenkalk, Calciumcarbonat, Calciumcitrat, MCH-Calcium etc.
Auch im fortgeschrittenen Alter des Hundes bzw. der Katze sollte man die Knochenfütterung reduzieren oder ganz darauf verzichten, da mit dem Alter die Anfälligkeit für Nierenerkrankungen zunehmen kann und man darauf verzichten sollte, zusätzliches Phosphor (das ebenfalls in Knochen enthalten ist) an das Futter zu bringen. Bei Nieren-und Harnwegserkrankungen sollte man auf die Knochenfütterung ebenfalls verzichten und ein reines Calciumpräparat wie etwa Calciumcitrat ergänzen.
Bitte beachten Sie:
Dieser Text kann keinesfalls die tierärztliche Diagnose und Behandlung ersetzen. Daher suchen Sie bitte bei gesundheitlichen Problemen Ihres Tieres immer einen Tierarzt auf.